Holzflössen im Gebirge
Früher, als die Bergwälder noch nicht durch Strassen erschlossen waren und es keine Seilkrananlagen gab, war die Holzbringung aus den Bergregionen eine langwierige und beschwerliche Arbeit. Da damals fast ausschliesslich mit Holz geheizt wurde und auch die Glashütten und die Erzöfen mit Holz betrieben wurden, war der Bedarf an Brennholz sehr gross. Deshalb musste trotz der aufwändigen Transportwege auch bis in die Berglagen Holz genutzt werden.
Die hauptsächliche Bringungsmethode war neben dem Reisten und den Pferdefuhrwerken die Flösserei.
Bis Ende des zweiten Weltkrieges wurde Holz geflösst. Damals wurden zum Teil gar aus Kandersteg tausende von Ster Holz auf dem Wasserwege bis nach Bern und Basel gebracht.

Alt Staatsförster Fritz Bettschen kennt die Flössarbeit noch aus eigener Erfahrung. Diese Arbeit war sehr anstrengend und nicht ungefährlich. Bis acht Stunden am Tag im reissenden eiskalten Wasser eines Gebirgsbaches zu arbeiten war nicht jedermanns Sache. Wie auch die Handholzerei (ohne Motorsägen) war auch die Holzbringung eine Arbeit, die viele Mannstunden kostete. Doch in den vierziger Jahren konnten vom Erlös eines Kubikmeters Holz noch dreissig Arbeitsstunden bezahlt werden. Heute nach Lothar lässt sich die Holzerei ohne modernste Maschinen wie Vollernter und Forwarder nur mit geschicktem Marketing in den schwarzen Zahlen halten.
Fritz Bettschen erinnert sich, wie im Berner Oberländischen Kiental geflösst wurde. Das meiste war Brennholz, aber auch einige Trämel für Sägereiholz wurden zu Tale gefördert. Wichtig war, dass sich das Holz in dem schmalen, reissenden Gebirgsbach nirgends staute. Die Arbeiter dirigierten die Holzstücke und Trämel mit dem Flösserhacken, einem speziellen Hacken an einer langen Stange. Auch der Zappi wurde oft benutzt.
Unten im Tal wurde das Holz mittels einem schräg in den Bach gebauten Holzrechen aufgefangen und mit Pferden und später mit Schienenwagen aus dem Wasser geholt. Von dort wurde das Holz dann mit Pferdefuhrwerken weitertransportiert.
Angesichts dieser Aufwände kann man erkennen, wie sehr damals unser Holz als wertvoller Rohstoff geschätzt wurde. Wenn man dabei bedenkt, dass heute zum Teil schönes Holz gar direkt am Strassenrand verrottet....

Bilder: Sammlung Fritz Bettschen
